Montag, 1. Juni 2015

Rezension: Christoph Scheuring - Echt

Echt

Verlag: Magellan
Hardcover: 240 Seiten
Preis: 14,95 EUR
Genre: Jugendbuch
ISBN: 978-3-7348-5001-1
Erscheinungstermin: 09/2014


Inhalt:
Albert geht gern zum Hamburger Bahnhof um dort Abschiede zu fotografieren. Für ihn ist das der ultimative Moment. Zumindest bis zu dem Augenblick als er Kati begegnet und sie ihn mitnimmt in eine ganz andere, neue Welt. Denn eines seiner Fotos ist eng mit ihrem Leben verknüpft und sie will der Geschichte hinter dem Bild auf die Spur kommen...zusammen mit Albert. Die Suche beginnt.

Meinung:
Das Cover und der Titel sind schlicht, geradezu schmucklos aber gerade durch diese Einfachheit, fällt es auf. Man konzentriert sich automatisch auf den Titel und beginnt dann sogleich den Klappentext zu lesen. Denn der Titel, das einfache "Echt" macht neugierig. Man fragt sich was sich hinter diesem Wort verbirgt und welche Geschichte zwischen den Buchdeckeln wartet.
Und die Geschichte ist auch eine ungeschminkte Wahrheit.
Zunächst lernt man Albert kennen, der eine ganz eigene Sicht auf die Welt hat. Er beobachtet sie durch das Objektiv seiner Kamera und versucht vor allem Abschiede einzufangen. Stets ist er auf der Suche nach dem perfekten Moment und er selbst scheint sich dem Leben, ja sogar den Menschen näher zu sein, in diesen ganz privaten Augenblicken. Doch erst als er Kati trifft wird er aus seiner kleinen, abgeschotteten Welt herausgerissen.
Kati ist wie eine Naturgewalt. Schon beim ersten Treffen ist er von ihr fasziniert und alles um ihn herum scheint intensiver. Und das gleiche geschieht mit dem Leser. Er steigt mit Albert hinab in den Untergrund, in die Seele des Bahnhofs und lernt dort die Schattenseiten des Lebens kennen. Echt und unglaublich nah erlebt man es mit. Albert bleibt auch bei den Bahnhofsleuten zunächst der Zuschauer doch mit jeder Sekunde, die er dort verbringt, verwebt sich deren Leben mit seinem. Er beginnt sich zu verändern und man hat den Eindruck das er erst da wirklich zum Leben erwacht. Kati und all die anderen Personen im Bahnhof sind so intensiv und echt, das man gar nicht an ihrer Existenz zweifelt. Und nach und nach geschieht das auch mit Albert. Albert ist nicht mehr der distanzierte, abgeklärte Beobachter sondern wird aktiver Mitwirkender. Er beginnt seine Geschichte zu leben, zu erleben, zu spüren. Aber das echte Leben ist eben nicht schön und genau das lernt auch Albert. Es ist nicht einfach, oder schwarz und weiß. Das Leben ist kunterbunt, völlig chaotisch und es können immer Dinge geschehen, die niemand vorhersieht. Das alles ist Kati. Und dennoch herrscht zwischen den beiden ein Band, das sich nicht trennen lässt. Interessanterweise sind weder Kati noch Albert wirkliche Sympathieträger. Kati ist in ihrer Art unberechenbar, brutal und sehr hart. Albert hingegen ist teilweise realitätsfremd, dem Leben entrückt und naiv. Und trotzdem kann man das Buch nicht weglegen. Denn wenn sie aufeinandertreffen will man einfach wissen was die beiden als nächstes tun werden, selbst wenn man davon alles andere als begeistert ist.
Es ist die meisterhaften Sprache des Autors, die einen so in seinen Bann zieht. Er fördert die Abgründe, die Verzweiflung aber auch die Hoffnung der Menschen von Bahnhof zu Tage. Hier wird nicht das beschauliche Leben eines Vorstadtjungens beschrieben. In dem Buch wird das Leben von jenen erzählt, die das Glück verlassen zu haben scheint. Dennoch scheinen sie intensiver zu leben als es Albert tut. Und man beginnt über das eigene Leben nachzudenken, darüber was man hat und was einem als selbstverständlich erscheint. Das wirkliche Leben will gelebt werden und so ist das Buch trotz seiner brutalen Ehrlichkeit auch ein Zeugnis dessen, vor dem wir alle die Augen verschließen - dem echten Leben.

Über den Autor:
 Christoph Scheuring hat Theologie studiert, danach vier Jahre lang als Fernfahrer gearbeitet und anschließend das journalistische Handwerk an der Henri-Nannen-Schule gelernt. Er war unter anderem Reporter und Redakteur bei STERN, TEMPO und SPIEGEL, hat Reportagen für GEO, ZEIT, Transatlantik und Playboy geschrieben und wurde zweimal mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis für die beste, deutschsprachige Reportage des Jahres ausgezeichnet. ECHT ist sein erstes Jugend- bzw. All-Age-Buch.
Quelle: Lovelybooks

Ich danke dem Magellan Verlag für das Rezensionsexemplar!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen