Freitag, 19. Februar 2016

Rezension: Jessica Park - Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte

© Loewe Verlag

Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte

Verlag: Loewe
Ebook: 384 Seiten
Preis: 8,99 EUR
Hardcover: 17,95 EUR
Genre: Jugendbuch ; Liebesgeschichte
ISBN: 978-3-7320-0195-8
Erscheinungstermin: 07/2014

Ab 13 Jahre


Inhalt:
Julie beginnt einen ganz neuen Lebensabschnitt - neue Stadt, erste eigene Wohnung und College. Doch die Wohnung existiert gar nicht und so steht sie ohne Unterkunft in einer fremden Stadt da. Doch sie kann bei einer Freundin ihrer Mutter unterkommen und gerät so in eine Familie, die ihrer gar nicht gleicht. Und hat nicht nur damit zu tun das die Tochter mit einer lebensechten Pappfigur ihres Bruders herumläuft. Auch Matt ist nicht einfach und überhaupt hat die Familie viel zu viele Geheimnisse...

Meinung:
Das Cover ist recht schlecht denn immerhin steht der Titel im Fokus und der ist richtig gut. Es ist ein Titel den man nicht so schnell vergisst, obwohl er so lang ist. Aber das liegt eben auch daran, das er recht ungewöhnlich ist. Mich hat er jedenfalls neugierig genug gemacht, das ich das Buch lesen wollte.
Und dann ging es auch schon mit der Geschichte los.
Julie fand ich von der ersten Sekunde an sympathisch weil sie ein lieber Mensch ist, der sich um andere sorgt und ihnen versucht zu helfen. Und ihre Hilfe wird in der Familie wirklich gebraucht. Matt ist ziemlich eigenbrötlerisch, überfürsorglich in Bezug auf seine Schwester und verkriecht sich in seinem Zimmer. Er hat kaum Freunde und hält irgendwie die Familie am laufen weil er einfach alles macht und sich selbst dabei völlig vergisst.
Tja und Celeste ist einfach etwas Besonderes. Sie scheint hochintelligent und manchmal trotzdem eher wie ein Kind als wie ein Teenager. Und sie hat eine Pappfigur von ihrem Bruder Finn, die überall mit hin muss weil sie sonst ausrastet. Das belastet die Familie und beherrscht sie auch denn alle richten ihr Leben danach aus.
Finn hingegen ist auf Weltreise und kommuniziert nur über Facebook.
Aber auch die beiden Eltern haben ihre Probleme. Sie arbeiten viel und sind kaum für ihre Kinder da obwohl man spürt das sie sie unglaublich lieben.
Von Anfang an ahnt man, das in dieser Familie so viel ungesagtes lauert, dass die Familie belastet und von innen langsam zerfrisst. Und genau das will Julie verhindern.
Sie ist ein fröhlicher Mensch, der die Dinge anpackt und vor allem die Menschen so nimmt wie sie sind. Gerade Celeste profitiert davon denn sie findet in Julie eine echte Freundin. Julie versucht aber auch Celeste zu helfen, denn die Pappfigur steht ihr oft im Weg. Dafür nimmt sie Kontakt auf mit Finn. Sie braucht seine Hilfe um sich in der Familie zurecht zu finden, um sie zu verstehen und für sie da zu sein.
Es ist bemerkenswert wie sehr sich Julie engagiert und gerade das hat mir auch so an ihr gefallen. Sie blickt hinter die Fassade der Menschen und akzeptiert das was sie dort findet. Doch sie ist so intensiv mit der ganzen Familie und der ganzen Geschichte verbunden, das sie auch ihr Herz verliert und zwar an Finn.
Und so ergeht es einem selbst auch als Leser. Beim Lesen vergisst man völlig wo man ist. Man lebt in der Geschichte und fühlt mit ihr. Man lacht über die Statusmeldungen bei Facebook und zwar egal ob die von Julie, Matt oder Finn. Man sorgt sich um Celeste wenn sie in eine regelrechte Panik verfällt wenn es um Papp-Finn geht. Man schmunzelt bei jedem Wort das Julie an Papp-Finn richtet. Man freut sich auf jedes neue blöde T-Shirt von Matt und seinen Schlagabtausch mit Julie. Und es zerschmilzt einem das Herz bei den Nachrichten von Julie und Finn.
Jede Seite bringt einen näher an das Ende und man will aber gar nicht das es endet. Denn längst hat man sich in die Charaktere verliebt. Man ist ebenfalls teil dieser Familie geworden und man will Finn unbedingt treffen. Man ist zu Julie geworden.
Die Geschichte hat sich in dein Herz gefressen und doch spürt man das da noch etwas lauert. Eigentlich weiß man es von Anfang an aber man will einfach nicht das es wahr ist. Man will einfach weiter in diesem Traum bleiben, diese Gefühle spüren, sich forttragen lassen.
Doch das Ende rückt näher und bringt eine Gewissheit mit, die einen einfach tief erschüttert. Obwohl man es die ganze Zeit insgeheim wusste, zerschmettert es einen wenn man es dann schwarz auf weiß vor Augen hat. Es tut weh und dann schafft es das Buch trotzdem noch das Ganze in eine andere Richtung zu führen.
Obwohl ich irgendwie wusste wo das Buch hingeht, hat mich das Ende doch überrascht und begeistert. Es hat mich versöhnt und es hat genau den richtigen Punkt getroffen.
Dieses Buch ist eine Sensation. Es ist psychologisch hoch sensibel geschrieben und man verliebt sich einfach in diese Familie und in Julie. Aber es ist der sprachliche Stil der die Geschichte so echt macht. Er lässt die Charaktere sich entwickeln und verbindet sie mit dem Leser.
Das ist ein Buch das ich nicht mehr vergessen werde, denn auch ich habe mich in eine Pappfigur verliebt.

Über den Autor:
Jessica Park wuchs in Boston auf und studierte im eisigen Minnesota. Nachdem sie dort vier Jahre lang Schneestürmen standhielt, lebt sie heute mit ihrer Familie wieder an der Ostküste. Wenn sie nich gerade schreibt, gibt Jessica Park ihren absolut nicht gesundheitsschädlichen Gelüsten nach Facebook und raffinierten Kaffeegetränken nach. Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte war in den USA bereits ein großer Erfolg.
Quelle: Loewe Verlag

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