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Mittwoch, 28. März 2018

Lesung: Minette Walters - Die letzte Stunde

© Roland Doctor
Hey ihr Buchverrückten,

letzte Woche hatten wir das Vergnügen unsere Buchmesse-Tage mit einem ganz besonderen Event einzuläuten. Nicht nur durfte ich den neuen und absolut großartigen Roman von Minette Walters bereits lesen, ich durfte auch zu ihrer Lesung. Ich hab mich so darauf gefreut denn ich weiß noch wie heute als ich damals von ihr "Im Eishaus" las und einfach begeistert war. Tja und natürlich war Roland dabei an meiner Seite.

Aber nicht nur das ich zu einer tollen Lesung durfte, dieser grandiosen Autorin wurde auch die angemessene Kulisse gegeben. Sie fand im Hugendubel in der Schloßstraße in Berlin statt. Natürlich ist Hugendubel auch "bloß" eine Buchhandlung aber ganz ehrlich, ich war sofort verliebt. Diese Buchhandlung ist einfach wunderschön. Sie gibt den Büchern den Raum und Platz, der ihnen gebührt. Man kann dort wunderbar zwischen den Büchern wandeln und es gibt genug Möglichkeit um in den Büchern zu schmökern. Und wenn man schon dachte es geht nicht perfekter ist dort natürlich auch noch ein Café integriert. Ich bin so verliebt und ich haben meinen neuen persönlichen Buchladen gefunden. Dieses Gefühl hatte ich lange nicht mehr aber Hugendubel hat mich mal wieder nicht enttäuscht.

Aber jetzt zur Lesung. Minette Walters war natürlich nicht allein auf der Bühne. Margarete von Schwarzkopf führte mit ihr das Interview und war zugleich auch ihre Übersetzerin. Gelesen wurde der deutsche Text von der Schauspielerin Bibiana Beglau. Und das war wirklich eine nette Überraschung da wir sie gerade erst in dem Film "Teufelsmoor" gesehen hatten.

v.l. Margarete von Schwarzkopf, Minette Walters, Bibiana Beglau
© Roland Doctor

Zu allererst muss ich sagen das ich die Lesung wirklich gelungen fand. Der Rahmen war passend und gerade der Wechsel zwischen Interview und Lesung hat mir sehr viel Spaß gemacht.
Es war schön so viel von Minette Walters zu hören zum Buch, wie es entstanden ist usw. weil man einen Einblick in ihre Arbeit bekommen hat. Und da muss ich auch einfach Margarete von Schwarzkopf erwähnen, die nicht nur sehr souverän war sondern auch sehr sympathisch. Sie hat klug und witzig das Interview geführt aber auch Minette Walters übersetzt. Chapeau!
Tja und dann las Bibiana Beglau 3 verschiedene Abschnitte aus dem Buch. Sie hat wirklich gute Textstellen ausgesucht um das Buch aber vor allem die Charaktere kennen zu lernen.
Die Kunst lag aber definitiv im Lesen. Sie hat eine rauchige Stimme und hat für mich Lady Anne perfekt verkörpert. Es war ein Genuss ihr zuzuhören und ich hätte noch Stunden dort sitzen können.
Natürlich hat Minette Walters selbst auch noch einen Part auf Englisch gelesen und nach der Lesung ganz in Ruhe jedes Buch signiert und sich Zeit genommen.

So und falls ihr nun selbst einen kleinen Einblick ins Buch bekommen wollt, habe ich hier noch ein Video mit der Lesung von Minette Walters und einem Abschnitt gelesen von Bibiana Beglau.




Vielen lieben Dank an den Heyne Verlag, dafür das wir von Ihnen auf die Gästeliste gesetzt wurden. Wir haben es sehr genossen!

Montag, 12. März 2018

Rezension: Minette Walters - Die letzte Stunde

© Heyne

Die letzte Stunde

Verlag: Heyne
Hardcover: 656 Seiten
Preis: 22,00 EUR
E-Book: 17,99 EUR
Genre: Historischer Roman
ISBN: 978-3-453-27168-5
Erscheinungstermin: 03/2018

Rezensionsexemplar: Ja


Inhalt:
Das Leben in Dorseteshire geht seinen ganz eigenen Weg. Auch wenn Sir Richard nicht der angenehmste Herr ist, haben die Leibeigenen dennoch ein gutes Leben durch ihre Herrin Lady Anne. Sie regt die Leibeigenen zum selbstständigen Denken an und bringt ihnen viel über Hygiene und Krankheiten bei. Als die Pest beginnt ihr Unwesen zu treiben, schotten sie sich von der Außenwelt ab. Ihre Gemeinschaft blüht und gedeiht während um sie herum alles stirbt. Doch nun drohen ganz andere Gefahren und Geheimnisse ...

Meinung:
Ich liebe das Cover. Es ist schlicht und dennoch unglaublich stark. Das gilt auch für den Titel. Ich bin von beidem begeistert.
Aber nun zur Geschichte. Ich war unglaublich neugierig auf das Buch immerhin ist Minette Walters im Krimi-Genre eine Berühmtheit. Und hier hat sie sich in ein völlig anderes Genre auch noch gewagt. Tja und bekanntermaßen ist der historische Roman nicht gerade mein Liebling. Doch was soll ich sagen: dieses Buch ist der Wahnsinn!
Ja ihr bekommt hier einen mächtigen Wälzer aber es ist jede Seite wert und im Gegenteil ich war traurig als ich am Ende ankam. Ich wollte so dringend weiter lesen. Ich meine allein die Zeit ist schon spannend - England zur Zeit der Pest. Und dann die kleine Grafschaft in der wir uns bewegen. Sie ist wie eine kleine Welt und unterliegt auch ihren eigenen Regeln.
Da haben mich von Anfang an die verschiedenen Charaktere unglaublich in ihren Bann gezogen. Wobei am faszinierendsten mit Abstand Lady Anne ist. Diese Frau ist eine wandelnde Überraschung. Von Anfang an war klar, die Frau ist klug, selbstbewusst und weiß genau was sie tut. Aber sie ist auch mitfühlend, liebevoll und tolerant. So eine Frau möchte man einfach um sich haben und ich kann verstehen warum sie in der Gemeinschaft so hoch angesehen wird. Sie hat so viel Ehre und Anstand im Leib wie kein Zweiter. Und ist dann mit einer Tochter gestraft die ich so manches Mal davonjagen wollte für die Art und Weise wie sie sich benimmt. Eleanor ist ein Mensch, den ich sofort verabscheut habe. Auch wenn sie durchaus ihre Gründe für ihr Verhalten haben mag, habe ich noch nie einen so böswilligen Menschen erlebt.
Ebenso eigenwillig ist Thaddeus - ein Bastard der aber das höchste Ansehen von Lady Anne genießt. Er ist verschlossen, regelrecht kalt und dann aber stets so besonnen und auf das Wohl der Gemeinschaft bedacht. Ich weiß überhaupt nicht wie ich ihn einordnen soll.
Aber das ist eben auch das Tolle an den Charakteren. Man steckt so tief drin, ist so verwurzelt mit der Geschichte, das man selbst Teil der Gemeinschaft und der Menschen dort wird.
Es ist so interessant zu sehen wie die Menschen versuchen zu ergründen, wie die Pest sich verbreitet. Es ist unglaublich wie sehr sich das Leben aller dadurch verändert und vor allem wie das Miteinander wird, wo sie von der Außenwelt abgeschnitten sind. Da merkt man erst wie viele Geheimnisse unter der Oberfläche schwelen und das man besser nicht an ihnen gerührt hatte. Denn am Ende des Buches sind viele Geheimnisse gelüftet und sie lassen einen völlig fassungslos zurück. Die Wahrheit, die dort ans Licht gezerrt wird ist genauso spannend wie die Entwicklung der Pest und mindestens genauso zerstörerisch.
Diese Geschichte lebt von den Menschen und den persönlichen Geschichten, die sie in sich tragen. Es liegt so viel unter der Oberfläche, das man tief graben muss. Aber alle Geheimnisse werden dennoch nicht gelüftet und das Schicksal der Menschen ist noch offen. Umso brennender warte ich nun auf den nächsten Teil. Es sind für mich nicht einfach nur Charaktere. Sie sind jetzt auch meine Leute und ich leide mit ihnen. Ich könnte es nicht ertragen, einen von ihnen zu verlieren ... bis auf Eleanor. ;-)
Lest einfach das Buch damit ihr selbst erleben könnt wie es sich anfühlt in diese Zeit hinein gesogen zu werden. Es fühlt sich so echt an und lässt mich einfach nicht mehr los.
Minette Walters hätte sich viel früher in dieses Genre stürzen sollen denn dank ihr beginne ich es zu lieben.

Über den Autor:
Seit ihrem Debüt "Im Eishaus" zählt Minette Walters zu den Lieblingsautoren von Millionen Leserinnen und Lesern in aller Welt. Alle ihre Romane wurden mit wichtigen Preisen ausgezeichnet und in zahlreichen Sprachen übersetzt. "Die letzte Stunde" ist ihr erster historischer Roman. Er spielt in Dorset, wo die Autorin auch seit Langem mit ihrem Ehemann lebt.
Quelle: Heyne